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Koordinationstraining - Allgemeine Betrachtung

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  1. Grundsätzliches
  2. Definition
  3. Warum überhaupt spezielles Koordinationstraining
  4. Wann sollte man beginnen?
  5. Elemente des Koordinationstrainings
  6. Wie sieht Koordinationstraining aus?

1. Grundsätzliches

Das Training der Koordination wurde in den vergangenen Jahren teilweise aus Unkenntnis (fast) nie im täglichen Training berücksichtigt. In den letzten Jahren wird in den technisch versierten Ländern (wie z.B. Frankreich und Niederlande) in jedes Trainingsprogramm Koordinationstraining eingeflochten.

Koordination ist überhaupt erst die Grundlage jeglichen menschlichen Bewegens. Je differenzierter die Bewegungen sind, um so schwerer sind diese zu erlernen.

Denken wir an das Kleinkind, das mit dem Laufen beginnt. Für das Kind sind die Bewegungsabläufe derart schwer zu beherrschen, daß das Erlernen des Laufens einige Zeit in Anspruch nimmt. Hat das Kind einmal die Bewegungen automatisiert, so macht es sich darüber keine Gedanken mehr, sondern versucht vielmehr, die Bewegungen zu verfeinern. Ähnliche Beispiele sind im Alltag häufig zu finden (z.B. Fahrrad fahren). Einmal gelernte koordinative Fähigkeiten werden in aller Regel nicht mehr verlernt, es kann lediglich einige Zeit dauern, bis man die Abläufe, die man längere Zeit nicht mehr benötigt hat, wieder beherrscht.

Fachleute rechnen die Koordination als fünftes neben Kraft, Schnellkraft, Beweglichkeit und Ausdauer zu den konditionellen Fähigkeiten. Andere wiederum sind der Meinung, daß es sich bei der Koordination aufgrund der Vielfalt um einen eigenständigen Lernbereich handelt. Hier kann man geteilter Meinung sein.

Wichtig ist die Schulung der koordinativen Fähigkeiten allemal.

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2. Definition

Koordination ist das Zusammenwirken des zentralen Nervensystems und der Skelettmuskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufes.

Hier unterscheidet man die intramuskuläre und intermuskuläre Koordination. Die intramuskuläre Koordination bezeichnet die Abstimmung der einzelnen Muskelfasern eines Muskels. Die Abstimmung der einzelnen Muskeln nennt man dann intermuskuläre Koordination.

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3. Warum überhaupft spezielles Koordinationstraining?

Ein Spieler kann absolute Top-Leistungen nur zeigen, wenn er über eine optimale Beherrschung des eigenen Körpers und des Spielgerätes verfügt. Die individuellen Fähigkeiten eines jeden Menschen sind von Natur aus verschieden. Trotzdem muß ein Fußballer in der Lage sein, den Ball zu beherrschen. Im Umgangston heißt es dann so schön, daß ein Spieler sein Handwerk versteht bzw. mit dem Handwerkszeug gut umgehen kann.

Somit kann man davon ausgehen, daß die Qualität eines Spielers deutlich zunimmt, wenn er gut mit dem Ball und seinem Körper umgehen kann. Dadurch steigt dann auch die Leistung des Spielers. Wer in der Lage ist, gute Leistungen zu bringen, ist auf der anderen Seite im Lernbereich einfacher zu motivieren, weil er sich nicht mehr auf den Umgang mit dem Ball konzentrieren muß!

Die Auswirkungen fehlenden Koordinationstrainings lassen sich vielfach bemerken. So sind u.a. schlechte Zielgenauigkeit beim Paß bzw. Torschuß, Orientierungslosigkeit ("Spiel ohne Ball"), falsche Berechnung der Flugkurve eines Balles, eckiger (d.h. "unrunder") Bewegungsablauf des Laufes, das Armrudern beim Laufen, Unelastizität beim Wiederaufkommen nach Sprüngen, unsicherer Stand auf einem Bein Mängel der Koordination und durch bewußtes und gezieltes Training auszumerzen.

Eine ausgeprägte und vielseitige Koordination ist auch unumgänglich für das fußball-spezifische Schnelligkeitstraining. Sie ist ein Grundstein zur Verbesserung der Antrittsschnelligkeit, welche aber ebenso speziell trainiert werden soll und muß.

Den Kindern wird heutzutage durch besondere (für den Fußballsport negative) Trends die Koordination nicht mehr beigebracht. So kann man heute mit der Play-Station ebenso erfolgreich (in den Augen der Kindern) Fußball spielen wie man es früher auf dem Bolzplatz getan hat. Kinder sind bewegunsärmer geworden, was nicht zuletzt durch die riesengroße Medienlandschaft kommt. Wer macht denn schon freiwillig Sport, wenn er auf der Couch sitzen und in die Flimmerkiste schauen kann? Natürlich gibt es beileibe noch genügend Spieler. Ich will lediglich einmal den Unterschied zu früheren Zeiten aufzeigen, in denen man die koordinativen Fähigkeiten nicht speziell im Training schulen mußte, weil die Kinder sie unbewußt in ihrer Freizeit trainiert haben.

Von der biologischen Seite bewirkt das Koordinationstraining eine Herstellung von Verbindungen einzelner Gehirnzellen. Diese Verbindungen werden Synapsen genannt. Je mehr Synapsen der Mensch in seinem Gehirn herstellen kann, desto besser ist er geschult. Die einfachste Methode zur Herstellung von Synapsen ist einfache körperliche Bewegung.

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4. Wann sollte man beginnen?

Für das Koordinationstraining gibt es eigentlich nur die eine Regel, daß man so früh wie möglich damit anfangen sollte, weil es in jüngeren Jahren für die Menschen einfacher ist, sich Bewegungsabläufe einzuprägen. Versäumnisse auf diesem Gebiet lassen sich zwar später noch beseitigen, wobei die Erfolge dann jedoch spärlich erzielt werden.

Das beste Lernalter ist zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr.

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5. Elemente des Koordinationstrainings

Folgende verschiedene Elemente lassen sich im täglichen Training schulen:

  • Anpassung

    Hier ist die Fähigkeit, sich auf neue und damit unerwartete Dinge schnellstmöglich einstellen zu können, gemeint. In einem Spiel kann man immer wieder beobachten, daß einige Spieler z.B. das Absprungverhalten des Balles auf einem weichen Untergrund falsch einschätzen.

  • Differenzierung

    Das bewußte Einsetzen der Muskulatur bei bestimmten Bewegungen wird als Differenzierungsfähigkeit bezeichnet. Falscher Sprung zu einem Kopfball (nicht zu früher Absprung, sondern zu niedriger Sprung), bei dem unter dem Ball durchgesprungen wird, obwohl der Ball erreichbar gewesen wäre, ist hier das klassische Beispiel.

  • Peripheres Sehen

    Das Stellen und dementsprechendes Verhalten im Raum allein durch Wahrnehmung wird als peripheres Sehen bezeichnet. Langläufig ist peripheres Sehen eine der Grundvoraussetzungen für eine gut funktionierende Raumdeckung.

  • Timing

    Eine Handlung soll dann durchgeführt werden, wenn sie am sinnvollsten ist. Ein zufrüher Absprung (nicht zu niedrig) zum Kopfball ist wohl allen bekannt und als schlechtes Timing auch geläufig.

  • Gleichgewicht

    Halten des Gleichgewichts oder Wiederherstellung nach einem Rempler.

  • Kopplung

    Teilbewegungen sollen miteinander verknüpft einen flüssigen Bewegungsablauf ergeben. Beim Kopfball - um bei dem Beispiel zu bleiben - sollte der Absprung, die anschließende Ausholbewegung und der Kopfstoß sehr flüssig ablaufen.

  • Orientierung

    Auch diese Fähigkeit wird bei einer guten Raumdeckung benötigt. Hierunter versteht man das Stellen zu einem Objekt (Gegenspieler oder Ball) in einem Raum, d.h. auf dem Spielfeld.

  • Reaktion

    Das Verwerten von abgefälschten Torschüssen oder die reflexartige Abwehr eines Balles durch den Torwart bezeichnet man als gute Reaktion. Der Spieler soll auf ganz bestimmte Reize (z.B. abprallender Ball) ohne große Verzögerung reagieren.

  • Rhythmus

    Hierunter fallen u.a. der Schrittrhythmus beim Absprung zum Kopfball oder zu einem Schuß. Dies wird durch Entspannen und Spannen der einzelnen Muskeln erreicht.

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6. Wie sieht Koordinationstraining aus?

Hierbei werden nicht nur einzelne Bewegungen geschult, sondern komplexe Bewegungsabläufe. Trainiert wird am besten direkt nach dem Aufwärmen, weil hier die Ermüdung der Spieler sehr gering und die Konzentration sehr hoch ist.

Dann sollte man alle Koordinationsübungen im höchsten Tempo durchführen, was jedoch von Spieler zu Spieler unterschiedlich hoch sein kann. Die Dauer der Belastung hingegen muß relativ gering bleiben. Hier sind 30 Sekunden als Richtwert nicht verkehrt. Übungen können grundsätzlich so lange wiederholt werden, bis sie gekonnt durchgeführt werden. Im Anschluß bietet sich ein höherer Druck an, um zu erkennen, ob die Fähigkeiten auch unter größerem Druck noch gekonnt abrufbar sind. Sind hier Mängel erkennbar, dann sollte man den Druck wieder niedriger ansetzen.

Gelegentlich können koordinative Übungen auch am Trainingsende durchgeführt werden, wenn der Erschöpfungsgrad sehr hoch ist. Hierbei kann man dann erkennen, welcher Spieler in der Lage ist, die erlernten koordinativen Fähigkeiten auch im ermüdeten Zustand abzurufen.

 

 

Dieser Text wurde von Herrn Udo Röbenack verfasst.


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